Familie Pupke (Pup gen. Pupke) aus Bützow in Mecklenburg

pupke friedrich und schacht anne

© Peter Pries

Die Familie Pupke (Pup) stammt laut Kirchenbuch aus Perdöhl-Hof Perdöhl (heute Landkreis Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern). Über den Ort Körchow (3km südl. von Perdöhl) verzog es die Familie schließlich nach Bützow (heute Landkreis Rostock).

Eine Anfrage an das Standesamt „Amt Bützow-Land“, im Jahre 2013, bzgl. der Geburt meines Großvaters Friedrich Pupke ergab, dass  im dortigen Personenstandsregister der Eintrag eines Friedrich Hermann Franz Wilhelm, *1903, erfolgte, aber nicht unter dem Namen Pupke, sondern Pup. Ferner teilte mir das Standesamt „Amt Bützow-Land“ mit, dass für das Familienmitglied Erich Karl Pup eine Namensänderung in Pupke beantragt und genehmigt wurde; hierbei handelt es sich um den älteren Bruder von Friedrich. In den Kirchenbüchern wird der Familienname ebenfalls Pup geschrieben, aber in einigen Dokumenten mit dem Zusatz gen. Pupke.

Friedrichs in Bargteheide geborenen Töchter (1929 – 1931) wurden im dortigen Standesamt mit dem Familiennamen Pupke eingetragen; ohne gültige Dokumente wäre dies wohl nicht möglich gewesen. Wann und wo also hat Friedrich eine Namensänderung für sich beantragt? Dieses Rätsel gilt es noch zu lösen. Die Nachforschungen gestalten sich recht schwierig da alle Dokumente von Friedrich und Anne Pupke, geb. Schacht, 1943 während der schweren Bombenangriffe auf Hamburg verbrannt sind. Um neue Unterlagen hat Friedrich sich nicht sonderlich bemüht. Dies hatte wohl etwas mit der langjährigen Verfolgung, durch die Nationalsozialisten zu tun.

Friedrich Hermann Franz Wilhelm Pupke (Pup)

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© Peter Pries

wurde 1903 in Bützow, Mecklenburg, geboren. Sein Vater, Hermann Wilhelm Theodor Pup stammt aus Perdöhl und arbeite 1901 in Schlemmin als Kutscher wie sein vater in Perdöhl. Nach dem frühen Tod seiner Ehefrau im Jahr 1917 hat Wilhelm noch im gleichen Jahr erneut geheiratet. Seine Kinder waren mit dieser Heirat überhaupt nicht einverstanden. Besonders Friedrich konnte kein gutes Verhältnis zur Stiefmutter aufbauen. Er widersprach ihr laufend und blieb des Öfteren seinem Elternhaus fern. Darüber kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen mit seinem Vater.

Schon in jungen Jahren war Friedrich, als Mitglied der KPD, politisch aktiv. Laut mündlichen Überlieferungen aus der Familie vertrat er seine politische Einstellung nicht nur mit Worten. Als 17jähriger nahm er, in der Bützower Arbeiterwehr an bewaffneten Auseinandersetzungen gegen den „Kapp-Lüttwitz-Putsch von 1920“ teil. Auch von 1921-1923 soll er an weiteren bewaffneten Kämpfen teilgenommen haben. Ein Foto, das ihn als MG-Schützen, auf einem LKW, zeigt, ist leider verschollen; vermutlich wurde es nach seinem Tod von Familienmitgliedern vernichtet.

Friedrich hat mit seinen Kindern sehr selten über seine Vergangenheit und seine Aktivitäten in der KPD, gesprochen. 1967 wich er auch meinen Fragen nach seinen politischen Aktivitäten aus. Er meinte nur, dass er nicht über diese Zeit sprechen möchte, gab mir aber zu verstehen, dass seine Aktivitäten in Bützow und anderenorts nur Unglück über ihn und seine Familie brachte.

Als die häusliche und politische Situation für ihn immer unerträglicher wurde, verließ er seine Heimatstadt. Völlig mittellos verschlug es ihn zuerst nach Hamburg, wo er im Hafen, als Tagelöhner, Arbeit fand. Danach zog es ihn weiter nach Bargteheide, wo er auf dem Hof der Familie von Hans Hinrich Schacht als Pferdewirt arbeitete. Dort begegnete er auch seiner späteren Ehefrau Anne Schacht, welche ihren Onkel öfters mit ihrer unehelich geboren Tochter besuchte. Vermutlich um 1926 heirateten Friedrich und Anne in Bargteheide. 1929 wurde ihre gemeinsame Tochter Anni geboren; 1930 folgte Margot und 1931 Luise.

Seine politischen Aktivitäten ließen auch in Bargteheide nicht nach. Durch das immer stärker werdende Aufkommen der Nationalsozialisten im Dorf bekam er dadurch ständig Probleme mit der örtlichen Gemeindeverwaltung.
Die Situation eskalierte nachdem Friedrich mit den beiden Brüdern seiner Frau Anne, die wie er Mitglied in der KPD waren, auf dem Kirchturm von Bargteheide die rote Fahne hisste.
Friedrich hat es vermutlich nur der Fürsprache seines Schwiegervaters zu verdanken, dass er nicht sofort verhaftet wurde. In einer „Nacht- und Nebel-Aktion“ verließ er mit seiner Familie Bargteheide. Es verschlug ihn nach Hamburg, wo bereits ein Cousin wohnte und bei der Feuerwehr arbeitete.

Hatte Friedrich zunächst noch einen Job als Hafenarbeiter, wurde es kurz vor der Machtergreifung der Nazis immer schwieriger für ihn Arbeit zu finden. Er nahm jede Arbeit an die sich ihm bot. Nach der Machtergreifung kam die Familie nicht mehr zur Ruhe. Schikanen durch die Behörden und Verhaftungen durch die Sicherheitspolizei ließen seine Frau Anne immer wieder um das Leben ihres Ehemannes bangen. Alles bitten und betteln, dass er sich zurückhält und an seine Familie denkt, half jedoch nichts; er duldete keinen Widerspruch. 1936 wurde sein Sohn Friedrich geboren, 1941 sein Sohn Wolfgang.

Trotz der ständigen Gefahr für mehrere Jahre hinter Gitter zu verschwinden blieben Friedrich und sein Cousin, im Untergrund, politisch weiter aktiv. Nach einer nächtlichen Plakatierungs- und Flugblattaktion wurden beide verhaftet. Eingestuft als „politische Schutzhäftlinge“ (für den Kommunismus hochverräterisch betätigt), wurden beide in eines der Außenlager des Konzentrationslagers Neuengamme verbracht (um welches Lager es sich handelte konnte ich bis heute nicht klären).

Das KZ-Neuengamme selbst wurde 1938 zunächst als Außenlager des KZ Sachsenhausen errichtet und seit 1940 als selbstständiges Konzentrationslager mit mindestens 86 Außenlagern, bis an die dänische Grenze, geführt. Die Häftlinge mussten Zwangsarbeit für die auf dem Gelände befindliche der NSDAP gehörenden Ziegelei, in der Rüstungsindustrie und beim Bau militärischer Anlagen (Friesenwall) leisten. Zu den täglichen Schikanen gehörte unter anderem, dass die Inhaftierten den Rasen des KZ mit einer Schere oder dem Rasiermesser schneiden mussten. Wurde dies nicht zur Zufriedenheit ausgeführt -was immer an der Tagesordnung war- wurden sie misshandelt.

Schwer verprügelt und gebrochen wurde Friedrich aus der Haft entlassen. Kurz vor der Entlassung wurde ihm nahegelegt den Posten eines Blockwartes in seinem Wohnhaus zu übernehmen, sollte er dies ablehnen würde er erneut in Haft kommen. Auf diesem Weg wurde versucht, ihn zum Eintritt in die NSDAP zu bewegen. Des Weiteren mußte er nach jedem Bombenangriff auf Hamburg Verschüttete ausgraben und die Toten bergen. Bei einer dieser „Strafaktionen“ wurde er durch eine einfallende Mauer selbst verschüttet und schwer verletzt. Friedrichs Cousin wurde nicht weiter drangsaliert, da dieser unmittelbar nach der Haftentlassung in die NSDAP eintrat und als Parteimitglied seinen Beruf als Feuerwehrmann weiter ausüben durfte.

1947 reiste Friedrich mit seiner Frau Anne nach Bützow, um den Erbanteil an seinem Elternhaus zu regeln. Vor Antritt der Reise riet ihn sein in Bützow lebender Bruder Erich davon ab diese Reise anzutreten, da man dort nicht gut auf ihn zu sprechen sei. Friedrich sah dies jedoch anders, schließlich hatten ja nun seine alten „Kampfgenossen“ das Sagen in Bützow. Nur unter der Bedingung, dass er sich in seinen politischen Ansichten zurückhält und die Vergangenheit ruhen lässt begleitete ihn seine Frau Anne auf dieser Reise.
Unmittelbar nach seiner Ankunft wurde er vom NKWD zu seiner KZ-Haft in Hamburg befragt. Sein in Hamburg lebender Cousin hatte Friedrich beschuldigt, während seiner Haftzeit Genossen an die Gestapo verraten zu haben. Friedrich leugnete dies und beschuldigte seinerseits seinen Cousin, dass dieser, wohl um seine Haut zu retten, Genossen verraten hat und unmittelbar nach der Haftentlassung in die NSDAP eintrat. Nach einigen Stunden kam Friedrich wieder auf freien Fuß. Friedrich und seine Geschwister verzichteten auf ihr Erbteil zugunsten ihrer Schwägerin, deren Ehemann in Russland gefallen war und sie mit ihren zwei Kindern völlig mittellos zurückließ.

Da es nach Kriegsende für Friedrichs in Hamburg lebenden Cousin aufgrund seiner NSDAP-Mitgliedschaft sehr schwierig war Arbeit zu finden, bat dieser Friedrich, bei den zuständigen Behörden für ihn zu bürgen; er wäre ja schließlich auch ein Genosse gewesen. Diese Bitte lehnte Friedrich jedoch ab da er es ihm nicht verzeihen konnte in die NSDAP eingetreten zu sein. Was aus seinen Cousin wurde, ist nicht genau bekannt. Er soll nach Bützow gezogen sein und wechselte dort abermals seine politische Gesinnung. Daraufhin brach Friedrich jeglichen Kontakt zu ihm und zu seiner Familie ab.

Entschädigungszahlungen, die Friedrich für seine Zeit im KZ, der Gestapohaft und diversen Polizeigefängnissen erhalten sollte, lehnte er kategorisch ab obwohl es ihm und seiner Familie nicht gut ging. Für ihn war dies eine Art von Blutgeld da in den Hamburger Behördenstuben die gleichen Personen saßen denen er unter der Naziherrschaft seine langjährige Verfolgung zu verdanken hatte. 1949 wurde Friedrich als Hilfsgärtner beim Gartenbauamt Hamburg angestellt. Er bezog mit seiner Familie eine Dienstwohnung direkt neben dem Hammer Park, Ecke Fahrenkamp/Caspar-Voght-Straße.
Parteipolitisch war er nicht mehr aktiv hat sich aber als Betriebsrat, innerhalb des Gartenbauamtes, sehr stark und erfolgreich für die Belange seiner Kollegen eingesetzt. Den Bau der Berliner Mauer nahm Friedrich zum Anlass, sein Parteibuch zu vernichten. Mit dieser Aktion war für ihn der Kommunismus gestorben; erst eine „braune“ und nun eine „rote“ Diktatur, das konnte er mit seinem Gewissen nicht vereinbaren.

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Peter Pries (Autor)


Bildnachweis: Die hier veröffentlichten, privaten, Fotos stammen aus dem Familienbesitz der Familie Pupke und wurden mir ausdrücklich nur für den Gebrauch auf dieser Seite zur Verfügung gestellt. Die Nutzung dieser Bilder kann ich daher nicht übertragen.


Quellen:
1. Gesprächsinfos Peter und Ralf Pries aus den 60ziger Jahren mit Friedrich Pupke
2. Aus den Erinnerungen der Kinder von Friedrich Pupke (ohne Gewähr)
3. Diverse Auswertungen von Heirats- und Geburtsurkunden im Jahr 2016 bei Ancestry.de

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